Jahresplaylist: 1984.

Alright, let’s go, musikalischer Zeitsprung ins Orwell-Jahr. Es folgt der zusammengefasste Thread zur Zusammenstellung der Jahresplaylist, den Songs und Geschichten aus dem Pop-Jahr 1984.

Mit bevorstehenden Wahlen in den USA und dem neuen BRUCE SPRINGSTEEN Album am Markt müssen wir 1984 natürlich mit einem der missverstandendsten Songs der Popgeschichte beginnen:
BORN IN THE U.S.A.

1984 war das Jahr von PRINCEs Film/OST „Purple Rain“, das sogar den Oscar für die besten Score gewann. „When Doves Cry“, „Let’s go crazy“, „I Would Die 4 U“ und natürlich der Titeltrack alles unvergessliche All-Time-Klassiker — gönnt euch diesen achtminütigen Film-Ausschnitt

Oscar-nominiert war auch KENNY LOGGINS für FOOTLOOSE – und Kevin Bacon als tanzender Aufrührer einer stockkonservativen Heustadl-Gemeinde ist ebenfalls unvergessen. Loggins vertonte übrigens auch das Original von „A Star Is Born“ (1976).

Und natürlich gehört in diese Liste auch GHOSTBUSTERS von RAY PARKER JR. – der diesen Song eigentlich gar nicht hätte machen sollen. Die Filmemacher wollten nämlich HUEY LEWIS engagieren und benutzten im Rohschnitt auch einen Song von ihm „zum Testen“…

…nämlich I WANT A NEW DRUG. Hört mal gut hin – fällt euch was auf? Lewis klagte – es gab einen außergerichtlichen Ausgleich, Lewis vertonte dafür dann 1985 „Zurück in die Zukunft“. Auch nicht schlecht.

Wir sind noch immer nicht fertig mit der Top-Kombi der 80er, Blockbuster-Film plus Superhit: STEVIE WONDER hat für „Lady in Red“ den kitschigen Höhepunkt geliefert: I JUST CALLED TO SAY I LOVE YOU. Gewann dafür einen Oscar, hat den Film aber nie gesehen (ba-dum-tss!)

Noch ein Oscar-Nominee: PHIL COLLINS: „Against All Odds“ aus dem gleichnamigen Film (mit Jeff Bridges!)

Der Song featured eine äußerst denkwürdige Herzschmerz-Zeile:
‚Take a look at me now – there’s just an empty space‘

Dieser Über-Hit hat es sogar als Meme ins neue Jahrtausend geschafft: LIONEL RICHIEs „Hello“. (Im Video singt er eine blinde Darstellerin mit der Zeile „I can see it in your eyes“ an… auch speziell.)

TINA TURNER hatten wir schon öfters (meist mit Ike) in den Jahreslisten, ihren einzigen Nr.1-Hit in den USA hatte sie aber erst beim (Solo-)Comeback – mit 45 (!) – 1984: „What’s Love Got To Do With It“. Legendär neben dem Song wohl auch die Perücke. 

Eine Zeitreise hat auch BILLY JOEL 1983/84 mit dem Album „Innocent Man“ unternommen und sich einmal quer durch die US-Musikgeschichte geschwungen. Dabei kommen Hits wie „Uptown Girl“ (83) und den nostalgisch-verklärten Doo-Wop „The Longest Time“ (84) raus.

Leider vor kurzem verstorben, aber unvergesslicherweise auch mit dem Jahr 1984 verbunden: Eddie VAN HALEN; Gründer/Gitarrist/Songschreiber für die gleichnamige Band und Erschaffer der Synth-Linie, die jeder kennt: Der aus dem Über-Hit JUMP.

Die Ironie wollte es, dass im selben Jahr ein zweiter legendärer Hit selben Namens – JUMP – Einzug in die Annalen fand: Von den POINTER SISTERS.(Es ist erlaubt an dieser Stelle an den tanzenden Hugh Grant in „Love, Actually“ zu denken.)

Darauf passt wunderbar LAURA BRANIGAN. Schon 1982 hat sie mit einem Cover eines italienischen Hits („Gloria“) international Punkte gemacht, jetzt folgte unter Mithilfe von Giorgio Moroder und Harold Faltermayer (der hatte später selber einen Hit mit der Titelmelodie zu „Beverly Hills Cop“): SELF CONTROL. Riesenhit.

Das Original stammt vom italienischen Schönling RAF und war bei ihm zuhause bereits ein Monster von einem Hit. Jener Raf, der dann ’87 mit Songwriting-Partner Umberto Tozzi (der auch besagtes „Gloria“ und das allseits bekannte „Ti Amo“ schrieb) beim Song Contest Platz 3 für Italien mit „Gente di Mare“ holte.

Ich war damals 7 und Riesen-Fan von CYNDI LAUPER ❤️. Ihr 83er-Album „She’s So Unusual“ bescherte uns „Girls Just Wanna Have Fun“, 1984 folgten als Singles „She Bop“, „Time After Time“ und „All Through The Night“. Schwer, sich da nur für eins zu entscheiden…

Und natürlich war da MADONNA.
1984 ff. die ultimative Stil-Ikone und das perfekte Bravo-Poster – nicht zuletzt wegen LIKE A VIRGIN. Das Album wurde von Nile Rodgers (!) produziert – der schon für Chic oder Bowies ‚Let’s Dance‘ Wunderdinge vollbrachte und in 2010ern nochmal mit Daft Punk ganz nach oben kam. Legende.

Nochmal SPRINGSTEEN. Die Lead-Single zum „Born In The USA“-Album war DANCING IN THE DARK. Ich sag das nur, damit ich euch erzählen kann, mit wem der Boss am Ende des Videos da tanzt: Es ist Courtney Cox (Monica aus Friends). #funfacts – genau hier:

Männer haben aber auch schon ordentlich Kitsch drauf, 1984. Ausgerechnet „Rebell Yell“ BILLY IDOL landet mit solchem einen seiner größten Hits: EYES WITHOUT A FACE.

Oder THE CARS mit „Drive“. Sänger/Writer Ric Ocasek hat später u.a. das „blaue“ Album von Weezer und weitere Alben für Nada Surf, No Doubt, Le Tigre produziert (!). Er verstarb leider 2019.

Jaja, „Turn on those SAD SONGS„, das wusste ELTON JOHN auch schon 1984. Zwischen „I’m still standing“ (1983) und „Nikita“ (1985) machte ihn das dauerpräsent im Radio der Zeit.

Ich schwenke lieber zu den lustigeren Songs des Jahres, wie dem Girl-Pop-Trio Nummer 1 der Zeit, BANANARAMA, die 1984 vergeblich auf ROBERT DE NIRO warteten. Sängerin Siobhan Fahey begegnet uns dann 1992 wieder bei Shakespears Sister („Stay“).

Oder das sehr spaßige Ohrwürmchen YOU SPIN ME ROUND von DEAD OR ALIVE – eine Nummer 1 in England 1984/85.

Vom Boyband-Wonder entwickeln sich DEPECHE MODE 1984 mit PEOPLE ARE PEOPLE zu einer als wesentlich ernsthafter wahrgenommenen Band – die Band versteht den Song bis heute als Anti-Rassismus-Hymne. 

I don’t know if you knew, aber MICHAEL JACKSON und MICK JAGGER haben 1984 (analog zum anhaltenden Chart-Erfolg von „Thriller“ und „Say Say Say“) eine Single – „State Of Shock“ – mit den restlichen JACKSONS aufgenommen.

Wir wechseln Kontinent: U2, damals noch eine waschechte Indie-Band, veröffentlicht „The Unforgettable Fire“ und lassen schon erahnen, dass ihre Zukunft im Stadion liegen wird. Drauf: Ihre epische Hymne auf Martin Luther King – PRIDE (IN THE NAME OF LOVE).

Wo wir bei Pathos sind: Die SCORPIONS landen mit „Rock You Like A Hurricane“ einen ihre größten Hits (noch lange bevor der „Wind Of Change“ gepfiffen wird).

Wir können 1984 nicht ohne WEIRD AL YANKOVIC thematisieren. Sein „Eat It“ hat mich schon damals zu Tränen gerührt… so quasi. Man MUSS dieses Video gesehen haben.

Wir können 1984 auch nicht ohne WHAM! thematisieren. Es erscheint das unsägliche „Last Christmas“, davor aber auch schon „Freedom“ und vor allem das hier: WAKE ME UP BEFORE YOU GO-GO.

For context: GEORGE MICHAEL war zu diesem Zeitpunkt 21 (!) Jahre alt. Und weil das alles nicht genug war, gab es daneben schon erste Ausflüge ins Solo-Gefilde – 1984 erschien auch CARELESS WHISPER, das nicht unschuldig am folgenden Ruf des Saxophons war.

1984 durften auch noch anspruchsvolle Pop-Perlen auf Ö3 laufen – etwa Mark Hollis‘ tiefsinnige TALK TALK, in diesem Jahr mit „Such a Shame“ und
IT’S MY LIFE (später u.a. von No Doubt gecovert) sogar hoch in den Charts. Großartiger Song.

Und auch wenn @ClaudiaZettel jetzt wieder schimpft, sind QUEEN natürlich nicht wegzudenken aus dem Jahr. „The Works“ (Album) bringt uns mit „Radio GaGa“ und „I Want To Break Free“ zwei Klassiker mit ebensolchen Videos. 

Fast gleiche Kernzielgruppe: FRANKIE GOES TO HOLLYWOOD singen in Lack und Leder über derben Sex und handeln sich eine Radiozensur in UK ein, die die Nachfrage nach dem stampfend-treibenden Disco-Kracher erst recht antreibt: Ey, RELAX.

So, Sex und Saxophon hatten wir schon, also sei auch noch SADE erwähnt: SMOOTH OPERATOR macht sie (völlig zurecht) zur instant legend.

Ok, dieser Thread war absehbar eine NEVERENDING STORY – und, hey! – der Song von LIMAHL zu Fuchurs Ritt mit Atreyu aus gleichnamigem Film/Roman stammt auch aus diesem Jahr 1984 (und ist übrigens auch eine Produktion von Giorgio Moroder).

In DE angekommen, gabs zu jener Zeit die international bemerkenswert erfolgreiche Band ALPHAVILLE, die uns bis heute mit „Big in Japan“ und vor allem „Forever Young“ (beide aus 1984) samt gefühlter 1000 Coverversionen verfolgen. Nennt man dann Klassiker.

Neben Michael hat auch JERMAINE JACKSON Chart-Erfolge. Für manche eine der schlimmsten Episoden der 80er-Dancefloor-Ära: WHEN THE RAIN BEGINS TO FALL.

Partnerin an seiner Seite ist PIA ZADORA, die auch als Schauspielerin zur Zeit aktiv ist (zB 1981 sowohl Golden Globe als auch Goldene Himbeere gewinnt) und mit LETS DANCE TONIGHT im selben Jahr noch einen weiteren Hit vorzuweisen hat:

„Langsam find‘ der Tag sei End, und die Nacht beginnt“, also biegen wir langsam in die Zielgeraden und kommen nach Österreich, wo STS mit ihrer Hymne auf die Heimat FÜRSTENFELD Geschichte schreiben. @i_koon kannst schauen ob der Steffl auf die Steirerbuam schaut?

Als Kind sehr gelacht haben wir allseits auch über das MOTORBOOT von der KURT GOBER BAND. Die Steiermark war zu der Zeit wirklich dick im Geschäft.

Und ein bisschen ein mit der Zeit zu Unrecht untergegangener Klassiker der Zeit ist zweifelsohne I MECHT LANDEN der eigentlich eher als Schauspielerin bekannt gewordenen MARIA BILL.

FALCO lebt im Hoch nach dem „Kommissar“ und vor dem Welthit „Rock Me Amadeus“ und macht mit JUNGE RÖMER seine wohl beste, aber unterschätzteste Platte. Lyrisch von ihm danach unerreicht, zum letzten Mal mit Robert Ponger als Produzent an seiner Seite. (2005 von GARISH erfolgreich in die Neuzeit gehoben.)

WOLFGANG AMBROS hingegen wurde nicht mehr verstanden. Hat er zumindest behauptet: DU VERSTEHST MI NED.
#1984 #austropop

Ein Kuriosum hat die Jahreshitparade in Österreich am Ende von 1984 zu bieten. NINO DE ANGELOs „Jenseits von Eden“ steht ganz oben; auf Platz 2 „Guardian Angel“ – derselbe Song in englischer Sprache, den Drafi Deutscher („Marmor Stein und Eisen bricht“) schrieb.

Und wenn euch Songwriting und Stil des Songs irgendwie vertraut vorkommen: Co-Autor Joachim Horn-Bernges hat später (gemeinsam mit Dieter Bohlen!) Thomas Forstners „Nur ein Lied“ und Tony Wegas „Zusammen Gehn“ mitkomponiert. #mindblown 

Hört, genießt, folgt der Playlist 1984:

https://open.spotify.com/embed/playlist/2MjjKRK2xtHAIzBnmBzGsi

Der gesammelten Musikgeschichte 1958-2013 chronologisch regelmäßig vervollständigt folgt ihr hier: http://bit.ly/HistoryOfPop

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s