Jahresplaylist: 1995

(Anm.: Ich stelle diese Listen „live“ auf Twitter zusammen und kommentiere sie, jeweils an einem Wochenende rund um das Monatsende, und übernehme die Tweets aus dem Monsterthread zur Zusammenfassung hier als Blogpost – heute für die #Jahresplaylist 1995)

Auf einem walisischen Bauernhof befindet sich eine bröckelige Mauer, auf die sich Noel Gallagher #1995 zurückzieht, um sich unsterblich zu machen. Er schreibt im Hinterhof der Rockfield Studios WONDERWALL.

Ein kanadisches Popsternchen verpackt Erwachsenwerden und das Ende einer toxischen Beziehung in Wut, Gitarren und ein Jahrhundertalbum. „You Oughta Know“ macht ALANIS MORISSETTE zur ultimativen Heldin einer ganzen Generation Alternative-Headbanger. #1995

Die SMASHING PUMPKINS sind am Peak mit dem unfassbaren Album „Melon Collie and the infinite Sadness“, daraus erscheint zur Jahreswende 95/96 das ewigste aller Lieder daraus: „1979“.

Himmel, das wird schlimm heute. Alles 25Y-Jubiläumsalben, die ich im Kasten stehen und Turnschuhe durchgetanzt habe dazu. Ja, auch zu NO DOUBTs „Just A Girl“ aus der „Tragic Kingdom“-LP, aus dem dann ’96 auch „Don’t Speak“ kommen wird.

…oder das Debüt von GARBAGE. Ich konnte der Shirley Manson-Verehrung meiner Altersgenossen zwar nicht so viel abgewinnen, aber the music hit. „Queer“ hab ich fast mehr gefeiert als das hier, aber „Only Happy When It Rains“: Klassiker.

Zwei weibliche Persönlichkeiten dieser Zeit haben mich deutlich mehr in ihren (künstlerischen) Bann gezogen: Einerseits PJ HARVEY, die mit „Down By The Water“ #1995 ihren Durchbruch feiert. „To Bring You My Love“ ist bis heute ein Lieblingsalbum.

Aber nichts > BJÖRK und nichts habe ich #1995 mehr gehört als ihr 2. Album „Post“. Jeder Song ein Universum für sich, mit „It’s Oh So Quiet“ (ein Cover eines österr. Songs!) zum Schluss und dem denkwürdigen Spike Jonze-Video dazu.

(Exkurs: Björks Cover bezieht sich auf den Song selben Namens von Betty Hutton aus 1951; und die hat es vom Deutschen Horst Winter „Und jetzt ist es still“ übersetzt und die Musik daraus stammt von Hans Lang – der später u.a. „Mariandl“ schrieb).

Bereits im Herbst 1994 erscheint „No Need To Argue“ der CRANBERRIES. Mit der für sie ultra-untypischen Single und Anti-Kriegs-Ode „Zombie“ bleiben sie #1995 Charts-Dauergast und bis heute im Gedächtnis. Sängerin Dolores O’Riordan starb 2018 mit nur 46 Jahren.

Und weil Schreien und Gitarren in der Hochblüte der Generation X so gut funktionieren, schenkt uns die Welt #1995 auch „Smash“ von OFFSPRING mit der Loser-Hymne „Self Esteem“.

Harte Jungs können aber auch anders: BUSHs Debüt „Sixteen Stone“ schlägt ein wie ein Meteor – und das nicht zuletzt wegen „Glycerine“. #1995

Und natürlich „Hurt“ von Trent Reznors NINE INCH NAILS. Ja, euer Johnny Cash-Lieblingssong ist ein Cover eines unfassbar darken Songs eines ebenso darken Typen – seine Fans waren in den 90ern die Freaks und Außenseiter, die jetzt überall wichtig sind. #1995

In diese Reihe könnte man jetzt auch „Fake Plastic Trees“ von RADIOHEAD stellen, aber auf deren Bands ist mit „Just“ einfach eine Nummer drauf, die uns mit Schmackes wieder aus dem Balladen-Loch rausholt. Noch ein Lieblingsalbum aus #1995


#1995 am Bruchpunkt aus „Alternative“ und Mainstream tauchte plötzlich eine Gottes-Parabel in den Charts auf. Keine Ahnung, was aus JOAN OSBORNE wurde, aber „One of us“ war damals ü-b-e-r-a-l-l. Gott halt.

Apropos Religion. R.E.M. waren seit ehschowissen (1991) sakrosankt, aber 1994 entdeckten sie auf „Monster“ auch den Grunge in sich, am signifikantesten wohl im ein bissl velvetundergroundischen „Crush With Eyeliner“, 1995 eine mutige Single daraus.

Bei religiöser Verehrung bin ich persönlich aber eher Team PORTISHEAD. Am 2.1.95 erscheint „Glory Box“ als Single aus „Dummy“. Letzte Woche haben die Beatsteaks (!) eine Coverversion davon veröffentlicht.

Und gerade eine Woche später und ein paar Kilometer weiter erscheint MASSIVE ATTACKs „Protection“ mit Tracey Thorn (Everything but the Girl) am Gesang und dem vielleicht besten Michel Gondry-Video unter lauter fantastisch guten.

Und nun zum Totschlagargument der Kategorie „England hatte #1995 so viel mehr zu bieten als Oasis“, nämlich PULP. „Common People“ erscheint und wurde später sogar von Cpt. Kirk gecovert. Ich mein, geht mehr Klassiker? Am Album „Different Class“ auch noch mit drauf: „Disco 2000“.

Weil gerade 1 Frechheit einer Coverversion von „Lovefool“ die Charts beherrscht, reite ich hiermit zur Ehrenrettung der CARDIGANS aus. Die hatten #1995 mit „Carnival“ ihren ersten Hit und ich liebe die Nummer bis heute. Nina Persson ist übrigens urnett.

Beim letzten Mal (1984) hatten wir eine Unmenge an Film-Songs in der Liste; 1995 ist der Schwung fast vorbei. Aber: U2 steuern den erstaunlichen Soundtrack zu BATMAN FOREVER bei. Der Film naja, der Song hat gezündet.

Hab ich schon einmal erwähnt, dass ich #1995 beim GREEN DAY Konzert in Wiesen einen Schuh im Moshpit verloren hab? Das Tour-Leiberl gibts immer noch irgendwo, „Dookie“ kam 1994 und beinhaltete diese dann ’95 ausgekoppelte Single: „When I Come Around“.

Und damit wechseln wir etwas die Gefilde, denn MTV spült zu jener Zeit auch erstmal richtig viel R&B und HipHop in die Jugendzimmer – und macht TLC zu Superstars, vor allem dank und mit „Waterfalls“, das ich heute noch ohne Untertitel mitsingen kann 😀

Das Gipfeltreffen der Pop-Ikonen-Geschwister MICHAEL & JANET JACKSON leistet sich #1995 das „teuerste Musikvideo aller Zeiten“ (7M$).

Janet hat im selben Jahr auch das nervige „Whoops now“, aber auch das schöne „Runaway“, Michael auch „You Are not Alone“.

…und den „Earth Song“. Michael gibts nicht mehr, das Motto und die Idee des Songs und Videos aber ist (leider) zeitlos geblieben.
#1995

Empfehle an dieser Stelle die fantastische „Evolution of Hip Hop“, um mehr über Geschichte/Hintergrund des Gangsta-Rap und dessen Godfather DR. DRE zu erfahren – oager Typ, der #1995 mit „Keep Their Heads Ringin'“ aus dem Soundtrack zu „Friday“ auch solo einschlägt und später Kopfhörer macht 😉

Gar nicht so recht dazu gepasst hat da COOLIO, der aber mit „Gangsta’s Paradise“ (zum Michelle Pfeiffer-Film ‚Dangerous Minds‘) den Billboard #1-Hit landet. Mit einem Sample von Stevie Wonder und dessen Sonnenbrille im Video.

Cool wie ein Gangsta auch SHAGGY, den #1995 eine Jeans-Werbung berühmt macht. Sein „Boombastic“ bewirbt mit Plastilinmännchen Levis. Jop, legendär.

Keine Ahnung, wie ich diese Liste je auf 30 stutzen soll, aber sie wird kaum ohne diesen Radio-Klassiker aus #1995 auskommen: DES’REEs „You Gotta Be“.

Auch groß am Äther: ANNIE LENNOX nach ihrer Trennung von den Eurythmics in einem zweiten Frühling zu jener Zeit, u.a. mit „No More I Love You’s“.

Beim U2-Batman-Intermezzo hab ich glatt vergessen, dass aus selbigem Film auch dieser Titel hier stammt: SEALs „Kiss From A Rose“. Als der 2004 in Wiesen auftrat (ich hab dort gearbeitet), hab ich Heidi Klum mal Hallo gesagt und das ist auch schon alles, was es zu sagen gibt.

#1995 und damit 1J nach „All I Want For Christmas“ hat sich MARIAH CAREY das beste Sample aller Zeiten („Genius of Love“ von Tom Tom Club) und ODB (Wu Tang Clan) geschnappt, um ihren mit Abstand coolsten Song aufzunehmen: „Fantasy“.

Apropos cool. Von Arrested Development losgeeist hatte DIONNE FARRIS 1995 (leider nur) einen Hit, aber der hatte es in sich und hieß „I know“.

Es gab noch andere gute Dinge 1995, wie die Auflösung von TAKE THAT. Zum Abschluss wurde nochmal eifrig Schmalzbrot gestrichen: „Back for good“ beginnt passend mit der Zeile „I guess now it’s time for me to give up“.

(Exkurs: Unvergessen, wie der bitterböse Harald Schmidt seine Sendung an diesem Tag eröffnete: „Liebe Take That-Fans, nicht quer die Pulsadern aufschneiden – der Länge nach!“). Andere Bad Boys in diesem Jahr waren Will Smith und Martin Lawrence in gleichnamigem Film. Und der hat DIANA KING mit „Shy Guy“ ihren einzigen Chart-Erfolg gebracht.

Aber kaum ein Bildschirmereignis hat einen Song so dermaßen ins Gedächtnis eingeprägt wie FRIENDS. #1995 schrieben 2 Produzenten der Serie eigenhändig mit den REMBRANDTS das Intro – und das wurde so populär, dass ein ganzer Song & Welterfolg draus wurde.

(Exkurs: Alle FRIENDS hier an Bord. Und beim letzten Mal und also 1984 hab ich euch schon mal erzählt, dass Courtney Cox – Monica – in „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen auf die Bühne kommt und mit ihm tanzt – epic!)

Tracey Thorn hatten wir vorhin schon als Gast bei Massive Attack, aber ihre Stammband EVERYTHING BUT THE GIRL hatte #1995 unverhofft ihren größten Hit, weil Todd Terry aus „Missing“ einen tanzbaren Club-Hit machte.

25 Jahre nach ihrer Auflösung, aber rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft #1995 veröffentlichen THE BEATLES zum Anheizen ihrer „Anthology“-DVD-Serie das aufpolierte Demo „Free As A Bird“, schaffens aber im UK tatsächlich nur auf Platz 2 der Charts – Platz 1 hält stur Michael Jacksons „Earth Song“.

Es ist nicht die einzige posthume Erfolgsgeschichte des Jahres: QUEEN veröffentlichen „Made in Heaven“ mit den letzten Aufnahmen des 1991 verstorbenen Freddie Mercury, darunter die Single „Heaven For Everyone“.

Und so schließe ich den Kreis, der mit Oasis begann, versöhnlich mit „The Universal“ von BLUR, aus dem großen „The Great Escape“-Album von #1995, um noch auf die absurde „Battle of Britpop“ hinzuweisen. en.wikipedia.org/wiki/Britpop#%…

Blur gewinnen sie: Im August erreichen sie mit „Country House“ Platz 1 der Charts, Oasis „Roll With It“ steigt nur auf Platz 2 ein – hier in 15min gut abgehandelt. Aber wirklich gewonnen hat, wer immer euch besser gefallen hat.

Ich könnte jetzt natürlich noch ewig weitermachen und in die Untiefen des Ö-Charts beherrschenden Eurodance abtauchen, aber mach mal einen Cut. Jahresplaylist-Link hier 👇

In der Zwischenzeit:
Folgt der großen History-Liste:

Und hier ist sie:
1995 in 30 Songs.
Es ist ein Höllenritt gewesen, mir blutet das Herz, was alles fehlt und nicht reingepasst hat. Es ist trotzdem eine Zeitreise, der ihr gerne zuhören, folgen und sie teilen könnt – hier entlang, bitte!

https://open.spotify.com/embed/playlist/2jVehLdb6nIdOqPHRiWmOc

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