Jahresplaylist: 1988

(Anm.: Ich stelle diese Listen „live“ auf Twitter zusammen und kommentiere sie, jeweils an einem Wochenende rund um das Monatsende, und übernehme die Tweets aus dem Monsterthread zur Zusammenfassung hier als Blogpost – heute für die #Jahresplaylist 1988)

#Jahresplaylist 1988 – ihr habt es so gewollt. Die letzte aller 80er-Jahre-Listen wird sich in diesem #Thread entwickeln. Wir starten gegen 20h! Folgt in der Zwischenzeit dem @inkmusic Spotify Profil, wo alle bisherigen Listen gespeichert sind:

Wer hätte #1988 gedacht, dass uns diese kleine Göre aus der TV-Soap „Neighbours“ über 30 Jahre später noch begleitet? KYLIE MINOGUE gelingt mit „I Should Be So Lucky“ der große Durchbruch (und hängt damals als Poster in meinem Zimmer).

Vielleicht einer der ungewöhnlichsten Hits des Jahres #1988 und weit ins Jahr später hinein stellt die irische Sängerin ENYA mit „Orinoco Flow“.

#1988 beginnt auch die erstaunliche Geschichte von MILLI VANILLI – ausgerechnet mit einem Song namens „Girl, You Know It’s True“ (sic!). Nach reihenweise Hits und Grammys stellt sich raus: Die haben gar nicht selber gesungen. Skandal perfekt.

Funfact: Den selben Schmäh hatte der deutsche Produzent Frank Farian schon 10 Jahre vorher bei BONEY M. praktiziert. Die erleben #1988 ein kurzes Comeback in den Charts mit einem als „Megamix“ gebrandeten Medley ihrer alten Hits. 

Frisurentechnisch näher war TERENCE TRENT D’ARBY mit unvergleichlicher Stimme 1987/88 einen Lauf mit dem Debütalbum hatte. Seit 2001 heißt der gute Mann Sananda Maitreya. „Wishing Well“ toppt aller Orten die Charts.

Eine der imho größten Nummern aller Zeiten erscheint: „Teardrops“ von WOMACK & WOMACK. Der Erfolg ist kein Zufall, sondern liegt regelrecht in der DNA: Cecil ist der Bruder von Bobby Womack („Across 110th Street“), Linda ist die Tochter von Sam Cooke (!).

Superstar der Tage ist fraglos MICHAEL JACKSON, der aus dem 87er-Epos „Bad“ gleich 4 Top-Hits in diesem Jahr auskoppelt: „Man In The Mirror“, „Another Part Of Me“, „Dirty Diana“ und das videotechnisch m besten in Erinnerung gebliebene, in bester Jackson-Manier als Mini-Film umgesetzte „Smooth Criminal“: Annie, r u ok?

In Summe wirft „Bad“ über die Dauer von fast drei Jahren 9 (!) Chart-Singles ab, jeder einzelne Song ein Klassiker. Das Album toppt damit noch „Thriller“. Die LP hab ich, damals 10, bekommen; über den Text von „Man In The Mirror“ hab ich schon damals viel nachgedacht. Man könnte es sich auch heute noch jeden Tag zu Herzen nehmen.

Der andere Superstar der Ära ist PHIL COLLINS. 1988 hat er sogar als Schauspieler großen Erfolg. Für die Gaunerkomödie „Buster“ produziert er für die Four Tops „Loco in Acapulco“ (und spielt darauf Schlagzeug!) und covert selbst den 60er-Jahre-Song „A Groovy Kind Of Love“: Superhit.

Auch im Film entführen uns die BEACH BOYS 20 Jahre nach ihrer Hochblüte nach „Kokomo“ – für den Tom Cruise-Film „Cocktail“. Kokomo gibts zwar nicht, aber Aruba, Jamaica, Bermuda, Bahama, Key Lago, Montego können wir alle noch aufzählen, nicht wahr?

Die Größe so manchen Debüts von #1988 fasziniert mich noch heute: TRACY CHAPMAN erste Single „Fast Car“ ist gleich ein zeitloser Klassiker. Letztes Jahr hat Nicki Minaj sehr viel Geld verloren, weil sie (unerlaubt) „Baby, Can I Hold You“ vom selben Album samplen wollte.

Man kann aber nicht von TRACY CHAPMAN sprechen, ohne auf ihren Auftritt beim Benefiz-Konzert zum 70. Geburtstag von Nelson Mandela zu sprechen zu kommen. Mandela sitzt zu dieser Zeit noch in Südafrika im Gefängnis, im Wembley-Stadion tanzt die halbe Welt auf, um ihm zu huldigen. Wegen technischer Probleme fällt der Auftritt von Stevie Wonder flach – Tracy Chapman, im Nachmittagsprogramm schon einmal auf der Bühne, springt ein – und wird quasi über Nacht berühmt. Und dieser Song gehört untrennbar dazu:

#1988 fanden die Olympischen Spiele in Seoul statt und am Denkwürdigsten dabei waren Ben Johnsons gedopter 100m-Weltrekord und WHITNEY HOUSTONs Hymne für die Spiele, „One Moment In Time“.


Massiv beeindruckt hat mich damals eine Nummer, die völlig ohne Instrumente auskam und die erste a cappella Nr.1 in den USA ever wurde: BOBBY McFERRINs „Don’t Worry Be Happy“. Im Video mit dem unvergessenen Robin Williams! Und: Auch diese Nummer stammt aus dem Film „Cocktail“!

Die Musik eines 87er-Films wirkte weit ins Jahr #1988 nach: Der Soundtrack zu DIRTY DANCING war das meistverkaufte Album des Jahres in Österreich. Auch wegen „Hungry Eyes“ und PATRICK SWAYZEs Gesangsausflug „She’s Like The Wind“. Der Schauspieler hatte den Titel schon in den Jahren zuvor mehrfach als Filmmusik unterzubringen versucht; als es ihm dann gelang, war er plötzlich auch in den Charts.

INXS mussten ewig auf große Pop-Erfolge warten, aber „Need You Tonight“ (1987) und „Never Tear Us Apart“ (eben 1988) markierten doch noch einen gewaltigen Durchbruch. Der Song lief 1997 bei Sänger Hutchences eigenem Begräbnis.

Wir wechseln hinüber zu einem der markantesten und am öftesten gecoverten Gitarrensolos aller Zeiten: „Sweet Child O‘ Mine“ vom GUNS’N’ROSES Debütalbum „Appetite For Destruction“. Hallo, Ohrwurm: 

Auf den Tanzboden! Die neue Technik des Sampelns treibt erstmals wilde Blüten in den Hitparaden. Früh perfektionieren das in England etwa BOMB THE BASS. Der Clubhit „Beat Dis“ schafft es in die Charts und pflastert mir meinen Weg zur HipHop-Begeisterung.

Den umgekehrten Weg gehen EDELWEISS. Österreichs erfolgreichster Pop-Export dieser Tage ist ein Sample-Fiebertraum und klaut schamlos zusammen, bis hin zum ABBA-Refrain („S.O.S.“).

Edelweiss gaben an, sich dafür an KLFs legendärem Buch „The Manual – How To Make A No.1 Hit Record“ dafür orientiert zu haben. Hat geklappt. Aus dem Projekt ginge zahlreiche Karrieren hervor: Klaus Biedermann produzierte später DJ Ötzi, Walter Werzowa den weltberühmten Intel-Jingle (!).

Hm, das hätte oben zu Edelweiss gehört: YELLOs „The Race“ erscheint ebenfalls 1988 und bringt CH auf die Landkarte internationaler Pop-Musik. Ein verrücktes Stück mit ebensolchem Video. Legendärerweise später Titelmusik zur deutschen Chartsendung „Formel Eins“.

Aus der Kategorie lege ich noch eins drauf, das „Theme from S-Express“.


Weiter getanzt wird zu YAZZ. Ihr einziger Hit „The Only Way Is Up“ sollte mir 2020 Motto sein (ich hab da so einen Spleen, mir Jahresmottos aus alten Hits zu basteln). Little did i know, dass man den Song auch umgekehrt lesen kann. 2020 proved it to me.

Die Sehnsucht, Träume ins echte Leben zu transferieren, schildert aber auch BILLY OCEAN: „Get Outta My Dreams, Get Into My Car“ nimmt technisch – als erstes Video – eine Trickfilmtechnik vorweg, die uns später „Roger Rabbit“ bescheren wird.

Apropos: Wer in den 80ern nie einen Crush auf KIM WILDE hatte, der hat nicht in den 80ern gelebt.
1988 erscheint „You Came“.

U2 sind nach „Joshua Tree“ auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und gehen nach Amerika um zu touren, produzieren dort mit „Rattle And Hum“ ein phänomenales Film/Album-Doppelpack und schmeißen mit „Desire“ und „Angel Of Harlem“ Hits obendrauf.

Auf ewig eine Guilty Pleasure, auch aus 1988: FAIRGROUND ATTRACTIONs „Find My Love“.
(Wobei „Perfect“ auch sehr schön ist).

In jüngerer Vergangenheit erfuhr „Tango In The Night“, das 1987er-Album von FLEETWOOD MAC eine erstaunliche Rehabilitation. Ich fand das ja schon immer super, vor allem das 1988 ausgekoppelte „Everywhere“. Ein garstiger Ohrwurm, ein entzückendes Video und der letzte große Hit von Fleetwood Mac.

1988 schaffte es die fantastische OFRA HAZA in die österreichischen Charts, weil ein von ihr vertontes hebräisches Gedicht („Im Nin Alu“) kräftig durchgeschüttelt und remixed wurde:

Ebenso wie sie ist leider auch BLACK nicht mehr unter uns. Der Slow Burner unter den Hits von 1988 ist „Wonderful Life“, das eigentlich schon 1986 und dann noch einmal 1987 erschien, ehe es 1988 ein Hit wurde – samt ikonischem Video.

Ähnlich erging es THE NITS, deren „In The Dutch Mountains“ zwecks Ironie fast nirgends so gefeiert wurde wie in Österreich. 

Wer sich erinnern möchte, was Klaus Eberhartinger vor Dancing Stars gemacht hat: 1987/88 war der sagenhafte Run des EAV-Albums „Liebe, Tod & Teufel“ samt „An der Copacabana“ sein Knödelbringer. 

Zurück ins ernstere Fach: EDDY GRANT sang 1988 gegen die Apartheid in Südafrika an und „Gimme Hope Joanna“ hat mir damals 11jährigem auf popkulturellem Weg erklärt, was das ist. Klassiker: 

Die in den 80ern populären Weihnachts-TV-Serien schwappten mitunter auch in die Charts über (Bonnie Bianco, anyone?): 1988 war das „My Love Is A Tango“ aus der Ballerina-Fabel „Anna“.

Der 1988 an einer Drogensucht zugrunde gegangene Hansi Dujmic wurde überhaupt erst posthum Nummer 1 – mit „Don’t Say No“.

1988 ist RAINHARD FENDRICH im Hoch, hat sich seine Ironie früher Songs bewahrt und „inspiriert“ von George Michaels 87er Hit „Faith“ die meistverkaufte Single des Jahres in Österreich produziert: „Macho Macho“.

Das isländische Popwunder hat 1988 seinen Ursprung, da werden die SUGARCUBES dank „Birthday“ so richtig bekannt. Die Sängerin schon damals unverkennbar: Es ist eine blutjunge BJÖRK. Drummer Siggy Baldursson leitet heute das isländische Musikexportbüro. 

Eine andere allererste Single sollte ebenso sehr einflussreich werden: Die PIXIES werden auf dem Rücken von „Gigantic“ und dem dazugehörigen Album „Surfer Rosa“ (inklusive „Where Is My Mind“!) zu Lieblingen der aufkeimenden alternativen Szene. 

Ihr werdet lachen, aber ich kann mich an den Song Contest 1988 vor allem deshalb erinnern, weil in der Pause vor dem Voting der HOTHOUSE FLOWERS„Don’t Go“ gezeigt wurde. Irisches Kulturgut halt, weil durch den Sieg Johnny Logans 1987 der Contest in Dublin stattfand. So sah das aus:

Ich hab gewusst, dass das heute wieder ausufern wird. Schon SAM BROWN unvergesslicherweise 1988 gesagt: „Stop!“

Für Bill Murrays großartige „Scrooged“-Verfilmung vertonen AL GREEN und ANNIE LENNOX den 60er-Klassiker „Put A Little Love In Your Heart“ neu und es ist bis heute wunderbar: #1988


„All the people read good books.“. Mit einem so traurigen, seltsamen Song wie TANITA TIKARAM es mit „Twist In My Sobriety geliefert hat, wäre heute in den Happy-Peppy-Charts garantiert nichts zu holen. 1988 war sie stilprägend und höchst erfolgreich – auch heute noch ein guter Song:

Für KEINE andere Zusammenstellung passt das Wort „Supergroup“ besser als für Dylan, Orbison, Harrison, Lynne und Petty: 1988 kommen sie als TRAVELLING WILBURYS zusammen: „Handle With Care“ wird ein Riesenhit, kurz darauf stirbt Roy Orbison an einem Herzinfarkt.

Und jetzt noch einer meine All Time Favourites: „What I Am“ von EDIE BRICKELL & NEW BOHEMIENS – die im Übrigen aufgrund ihrer Performance des Songs bei Saturday Night Live Paul Simon kennenlernte, den sie dann auch geheiratet hat – und das hält bis heute.

Und zuguterletzt hau ich euch das hier in die Timeline: Ben Johnson gewinnt den 100m-Lauf bei den Olympischen Spielen in damals unvorstellbaren 9,79. Einen Tag später wird er des Dopings überführt. Er wird der Coverboy der Liste werden.

Das wird jetzt noch schön fein säuberlich sortiert und ausgemistet, aber ihr dürft gern schon folgen: Here you go: Thirty songs from 1988 for your pleasure. Die 80er-Sammlung der #Jahresplaylist ist damit komplett.

Wie immer habe ich die Neuzugänge in die gigantische HISTORY OF POP eingefügt, die chronologisch alle Listen seit 1958 vereint und bald vollständig ist. Ideal zum Musikgeschichte shufflen – folgt bit.ly/HistoryOfPop

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