Wenn es für Menschen in Machtpositionen eng wird, zeigen sie ihr wahres Gesicht, indem sie ihr Gegenüber einschüchtern, laut werden und entweder subtil oder ganz offen Drohungen aussprechen. Sie werden zum „Bully“.
Nun gibt es den Begriff „Bullying“ schon lange und das Wissen über die Unart verbreitete sich gerade im Windschatten von Debatten wie „me too“ rasend. Aber immer noch belohnt die Gesellschaft dieses Verhalten großzügig. Gerade an der Spitze großer Unternehmen stehen oft cholerische, laute und rücksichtslose Menschen. Und ganz oft hat man den Eindruck, dass genau das der Grund ist, warum sie dort stehen: Sie haben sich „hochgedroht“.
Ein Prototyp wie Donald Trump überspielt seine eigene Unfähigkeit und Dummheit mit großen Phrasen und gibt den „starken Mann“. Und viele schreiben ihm deshalb die gewünschten Eigenschaften zu: Durchsetzungsvermögen, Härte, Führungsqualität – das schätzt man an ihm. Dabei zeigen sie genau das Gegenteil, wie jede zu diesen Themen forschende Person unterstreichen wird. Vernünftige Lösungen und kluge Denkansätze hat er keine, doch das Prinzip und der daran hängende Glaube ist viel zu tief in uns verankert. (In der Politik kommt hinzu: Wer das Problem nur pöbelhaft und garstig genug artikuliert, wird als Heilsbringer gefeiert, auch wenn die Lösungsansätze offenkundig fehlerhaft sind. Ein Resultat wird man bei der kommenden Nationalratswahl sehen).
Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, doch nicht nur bösen Großkonzernen stehen solche Leute vor. Bullying als Erfolgsstrategie hat sich so bewährt, dass man selbst in sozialen Einrichtungen, in Kleinstunternehmen auch genau solche Typen Mensch findet, denn: Es lohnt sich einfach.
In den vergangenen Wochen hatte ich eine beängstigende Häufung an diesbezüglichen Erlebnissen zu verdauen und habe begonnen, das zu hinterfragen. Meine vage Hoffnung ist: Vielleicht wird es ja tatsächlich eng für diese Leute. Sie stoßen sich in Debatten auf internationalem Parkett an Begriffen wie „Fairness“ in Veranstaltungstiteln (!), weil sie „fälschlicherweise“ implizierten, dass das aktuelle System unfair wäre (sic). Sie wischen die aktive Suche nach einer Lösung oder einem Kompromiss mit dem berühmten „das haben wir immer schon so gemacht“ lautstark vom Tisch. Sie warten mit grotesken Lügen auf, um ihren eher haltlosen Argumenten Gewicht zu verleihen. Und immer schwingt mit der Lautstärke auch die Einschüchterung mit, mit der man das Gegenüber subtil oder auch sehr deutlich an das Machtgefälle erinnert oder ein solches künstlich herzustellen versucht.
Manchmal schafft man es, solche Erlebnisse wegzulächeln; immer schüttelt man innerlich den Kopf; mitunter erschüttert einen die Taktik trotzdem bis ins Mark. Ich schreibe diese Zeilen auch, weil es mich selbst daran erinnern soll, wie schwach und verzweifelt diese Menschen letztlich sind. Vom politischen Führer bis zum cholerischen Nachbarn funktioniert diese „Technik“ letztlich nur dann, wenn sie auf fruchtbaren Boden fällt. Und ich weigere mich beharrlich, den zur Verfügung zu stellen.

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