Lockerungen.

Für die Kulturtreibenden sind die heute angekündigten Lockerungen eine ambivalente Angelegenheit. Let me elaborate.

SYMBOLISCH ist das alles zunächst extrem positiv: Es darf wieder „etwas gemacht“ werden und damit ist wenigstens ein Funken Hoffnung auf ein normales Leben vorhanden. Im Übrigen etwas, was für alle auch weit jenseits der inneren Branche gilt.

POLITISCH ist zu spüren, dass man etwas tun möchte und gewillt ist, zuzuhören. Das hatte ich so an sich nicht bezweifelt, aber das pure Signal ist auch angesichts der schwierigen Gesamtlage wohltuend.

ÖKONOMISCH freilich ist das eine andere Sache. Kulturveranstaltungen werden weit im Voraus geplant. Nicht nur ist diese Möglichkeit seit März verschwunden (wofür und wohin planen?), man kann auch nicht so einfach „wieder aufdrehen“. Von Proben bis Marketing ist das sehr herausfordernd. Dazu kommt, dass mit Sicherheitskonzepten und -maßnahmen deutliche Mehraufwendungen entstehen, mit denen niemand kalkulatorisch und organisatorisch in dieser Form Erfahrung hat. Man arbeitet komplett ins Blaue.

Natürlich weiß man auch nicht, wie sich das Publikum verhalten wird – aber gehen wir davon es, es mag die Ideen dieser neuen Art von Sommerevents. Dann sind trotzdem Kapazitäten nicht nur eingeschränkt, sondern mit den Regelungen recht unkalkulierbar geworden. Ob jemand in 4er-Gruppen oder alleine kommt, kann in einer bestuhlten Location im Endeffekt einen Riesenunterschied machen, wieviele Leute insgesamt Platz finden; wie zu bestuhlen ist und wie das zu organisieren ist (vom Vorverkauf bis zum Einlass). Indoors ist das naturgemäß noch ärger, weil der Platz rigoroser beschränkt ist.

Was völlig klar ist: Es entstehen damit deutlich mehr Kosten, aber weniger Einnahmen – plus eine riskante Unkalkulierbarkeit. Das macht Events leider wenig attraktiv.

Dann kommen die Herbstevents, die weiterhin (leider/natürlich) unplanbar sind. Mit den neuen Umständen sind aus dem Frühjahr verlegte Termine nicht durchführbar, wenn zB bereits 400 Karten für ein WUK-Konzert verkauft sind, dann aber nur 60, 80, 100 (!) rein dürfen (Sitzplatz/Abstand). Das alles mit dem Restrisiko, dass eine zweite Welle oder andere Veränderungen der Regelungen JEDERZEIT stattfinden können.

To be fair: Die Politik kann die meisten dieser Probleme nicht lösen oder deren Fragen beantworten – das ist mir klar. ABER:
Sie könnte jene belohnen, die jetzt mutig Konzepte entwickeln und voran gehen – man will das Kulturleben ja zurück bringen, auch und gerade jenseits der hoch geförderten Festspielbetriebe.

Die Idee, bundesseitig „Zwangsleerplätze“ als eine Art Förderung aufzukaufen, würde sehr easy extrem viel bewirken. Eine Mwst-Senkung zurück auf 10% würde helfen. Eine Art Ausfallsversicherung oder -regelung, falls doch wieder schärfere Maßnahmen nötig werden, wäre notwendig.

Verbunden jeweils mit Verpflichtungen, Mitwirkende (von Künstler*innen bis Ton/Licht/Security) mitpartizipieren zu lassen. Dann wäre WIRKLICH geholfen – und es wäre bitter nötig.

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